Samstag, Mai 27, 2006

 
Gewissenskonflikt

Nachdem wir uns im Prenzl´berg im Restaurant Bernstein (Oderberger Str. / Choriner Str.) mit leckerem Essen unsere Bäuche vollgestopft hatten, beschlossen wir den Abend im Friedrichshain fort zu setzen. Entlang der Simon-Dach-Str. reihen sich die Kneipen und Bars wie eine Perlenkette aneinander. „Wollen wir mal diese Bar ausprobieren, die kenne ich noch nicht!“ Die Bar nennt sich „Tempo Box“ (nach einem ehemaligen Vorbesitzer, welcher hier zu Ostzeiten einen bananenlosen Gemüseladen betrieb). Ein riesen Laden, mit schummriger Beleuchtung, relativ jungem Publikum, er erinnert ein wenig an eine bayrische Trinkhalle. Wir machen es uns zu dritt an einem Tisch in der Mitte der Bar gemütlich, hängen unsere Jacken hinter uns auf den Stuhl und werden von freundlichem Personal schnell bedient. Die Tische stehen eng beieinander.

Ca. eine halbe Stunde später setzt sich ein Typ an den Nachbartisch, kurze dunkle Haare, er trägt ein Basecape, welches tief in sein Gesicht gezogen ist, dazu eine helle, weite Baseballjacke und bestellt sich ein Bier. Aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie er angespannt und leicht agressiv mit seinem Bein wippt. Wir trinken und sind in ein Gespräch vertieft. Beiläufig streift mein Blick den Nachbartisch. Hoppla, was ist das denn jetzt? Der Kerl (eigentlich Rücken an Rücken mit meinem Freund Stephan sitzend), hatte sich umgedreht und seinen Ellenbogen auf die Jacke meines Freundes gestützt, als wollte er uns belauschen. Unsere Blicke treffen sich, schnell dreht er sich wieder um und trinkt sein Bier weiter. Sofort flüstere ich Stephan in´s Ohr: „Sieh mal nach, ob deine Brieftasche noch da ist, der Typ hinter dir verhält sich irgendwie merkwürdig...“.

Die Brieftasche ist noch da, aber das Handy, wo ist das Handy?! Nicht da! Stephan tut so, als ob es ihm „vielleicht“ aus der Tasche gefallen ist. Er steht auf, sucht mit dem Feuerzeug unter seinem Stuhl. Der Typ fragt Stephan: „Hey Alter, was is´ los, was suchst du?“ Antwort: „Mein Handy, vorhin war es noch da, dachte, es wäre mir gerade aus der Tasche gefallen...“ Der Typ steht auf, zückt sein Schlüsselbund und leuchtet mit einer kleinen LED Lampe den Fußboden ab. „Ne Alta, da is´ nix, haste bestimmt schon vorher verloren. Guck´ nochmal genau in Jacke nach!“

Besorgt kommt die Kellnerin an unseren Tisch gelaufen: „Gibt es irgendwelche Probleme?“
„Ja, mein Handy ist weg!“
Kellnerin: „Das tut mir leid, in letzter Zeit wurden hier öfters Handys gestohlen, letzte Woche wurde sogar ein Laptop geklaut!“

Schnell und unauffällig wähle ich die Nummer von Stephans Handy, möglicherweise klingelt es am Nachbartisch!? Fehlanzeige! Ratlos verschwindet die Kellnerin wieder.

Der Typ dreht sich äußerst sauer und agro zu Stephan um und sagt: „Alta, verdächtigst du mich? Du bist schon der zweite heute Abend, der mich so blöd anmacht! Nur weil ich aus Marocco komme, werde ich dauernd scheisse angemacht! Weil ich ein Ausländer bin verdächtigt ihr mich!“. Der Typ dreht sich beleidigt um und haut rhytmisch, erst mit der Hand, dann mit der Faust auf den Tisch, flucht arabisch vor sich hin.

Bewege mich Richtung Klo, um mit dem Barkeeper einen kurzen Plausch zu halten. Der sagt, er hat den Typen schon ´ne Weile im Auge... „Sollen wir ihn filzen?“ Hm, Unentschlossenheit macht sich bei Stephan breit, was ist, wenn er es wirlklich nur zu hause liegen lassen hat!? ´Ne unangenehme Situation! Der Typ ist eh´gerade abgehauen.

Heute hat sich Stephan ein neues Handy kaufen müssen!

Comments:
Tja, was lernen wir daraus?
Also wohl doch im Zweifelsfalle erstmal mit dem Finger auf den Betreffenden zeigen?
Entschuldigen kann man sich ja immer noch.
Nunja, ganz so einfach ist es wohl doch nicht...

S.
(Der, der sich das neue Handy gekauft hat)
 
Das neue Handy ist eh´ viel schöner!
Soll ich deine Telefon Nr. gleich mit veröffentlichen, dann können dir die Leute zum neuen Handy gratulieren?
 
Och, laß nur.
Aber fein, daß Dir das neue Handy gefällt.
Hoffentlich geht's da anderen nicht genauso.........
 
Den letzten Typ erkenne ich auf jeden Fall wieder, also lass uns mal wieder einen kleinen Sreifzug durch Bars und Kneipen unternehmen.
 
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